Die Philosophie Leonard Nelsons – Eine Kurzeinfuehrung

Nelson-phil-150x150Initiator des ISK (Internationaler Sozialistischer Kampfbund) war der Goettinger Philosoph Leonard Nelson (1882 – 1927).  Jupps politisch-philosophische Ausrichtung fusste auf Nelsons Lehre, und obwohl Nelson bereits verstorben war, als Jupp 1933 dem ISK beitrat, hatte Jupp sich als Mitglied des ISK der Fuehrung Willi Eichlers – Nelsons inoffizieller Nachfolger und den jungen ISK entscheidend formende Persoenlichkeit  – unterzuordnen.  Deshalb erscheint eine Kurzeinfuehrung in Nelson’s Lehre hier angebracht, auch wenn einige der unten zusammengefassten Ueberzeugungen nach Kriegsende einem parteipolitischen Pragmatismus zum Opfer fielen.

Wer mehr ueber Nelsons Leben und Wirken wissen will,  sich aber nicht auf Wikipedia verlassen mag, kann eine Leonard Nelson Kurzbiographie bei der der Philosophisch-Politische Akademie, die 1922 von Nelson selbst ins Leben gerufen wurde, einsehen:

Kurzbio Leonard Nelson

Wir zitieren aus Martin Ruether (Hrsg.): Deutschland im ersten Nachkriegsjahr.  Berichte von Mitgliedern des ISK aus dem besetzten Deutschland 1945/46; Einleitung: IJB und ISK.  Muenchen 1998, S. 2/3.

“Als Ziel seiner Lehre strebte Nelson einen von der Vernunft bestimmten Rechtsstaat an.  Dies bedeutete gleichzeitig eine rigorose Ablehnung der Konzeption der Gewaltenteilung und einer demokratischen Regierungsform, da hierin nicht das Recht, sondern die bessere Ueberredungskunst der bestimmende Faktor sei.  Daher lehnte Nelson zufaellige Mehrheitsentscheidungen in Form von Abstimmungen und Wahlen ab.  Erstrebenswert erschien ihm vielmehr das platonische Ideal einer “Herrschaft der Weisen”, deren Auswahl er als eine Aufgabe der Wissenschaft definierte.  An diesem Punkt vollzog sich der Schritt des Philosophen Leonard Nelson zum Politiker, der die ethisch fundierte Notwendigkeit zum politischen Handeln erkannte.  Dabei bejahte er den Kampf der Entrechteten gegen die herrschende Klasse – also den Klassenkampf – und erachtete eine fuer einen solchen Kampf geeignete Partei als notwendig – die “Partei der Vernunft”.  Seine Ablehnung demokratischer Prinzipien galt auch fuer sie:  Fuehrerschaftlich organisiert, muesse sie im Falle einer Machtuebernahme bereits ueber die notwendigen Strukturen zur Ordnung und Sicherung des Rechtsstaates verfuegen.  Zu verwirklichen waren all diese Absichten nach Meinung Nelsons nur im Sozialismus, da nur dieser das “Prinzip einer Gesellschaftsordnung” darstellte, die den Privatbesitz auf die Bedingung der Gleichheit des Wohlstandes einschraenkte.  Als Endziel schwebte ihm ein “liberaler Sozialismus” vor.

Neben der Demokratie unterzog Nelson auch den Marxismus einer scharfen Kritik.  Er lehnte die von Marx begruendete determinstische Theorie des historischen Materialismus als falsch und im Kampf fuer den Sozialismus als schaedlich ab.  Auch die marxistisch fundierte Wirtschaftsform des Kollektivismus hielt er fuer ungeeignet, soziale Gerechtigkeit zu schaffen und zu sichern.  Nelson lastete Marx den schwerwiegenden Fehler an, er habe bei der Zielbestimmung im gesellschaftlichen Leben der Menschen die Ethik ausgeschaltet.   Fuer ihn aber waren es gerade die menschlichen Denk- und Willenskraefte, die den historischen Fortschritt vorantreiben.

Schliesslich sei noch darauf hingewiesen, dass Nelson die Kirche und ihre Machtansprueche geradezu fanatisch ablehnte, da deren Dogmatismus der Vernunft voellig unzugaenglich sei.  Angesichts ihres unheilvollen Einflusses forderte er seine Anhaenger dazu auf, aus der Kirche auszutreten.”

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