Fuer’s Protokoll: Eine Zwischenbilanz

Als eine Art Zwischenbilanz moechte ich heute etwas zum “Abendteuer JuppKappius.de” sagen, denn es ist schon eine ganz besondere Erfahrungen, die wir hier machen.

Erfahrung

Jupps Internetseite hilft uns ungemein dabei, Jupps Spuren nachzugehen.  Man koennte ja meinen, dass es lediglich “busywork” sei, etwas, das wir bereits (hand)schriftlich vorliegen haben, abzutippen und ins Internet zu stellen. Aber mal ganz abgesehen davon, dass wir durch die Digitalisierung Jupps Notizen, Gedanken und Abhandlungen allen Familienmitgliedern und (Partei-)Freunden zugaenglich machen, hat diese Wiederverarbeitung noch einen anderen Vorteil.

Wuerden wir Jupps Briefe und Aufzeichnungen einfach nur fuer uns lesen und sie nicht weiter verarbeiten oder schon darauf hin lesen, was fuer die Seite wohl geeignet waere, so wuerden wir vieles ueberlesen, nicht einordnen koennen oder schlicht nicht begreifen. Doch aufmerksames Lesen und Abtippen laesst uns bei manchen Stichworten aufhorchen – “Das habe ich doch schon einmal gelesen!” – “War da nicht in dem Brief an O. ein Hinweis auf T.s Umzug?” –  und so fuegen sich Informationen aus verschiedenen Notizbuechern zusammen.

Das Internet hilft ausserdem ganz ausserordentlich, Stichworten nachzugehen und so Hintergrundinformationen auszugraben, und auch Fotos. Auf diese Weise werden Jupps Erfahrungen anschaulich.  Wie sah so eine Huette in Tatura von innen aus?  Wo genau hat die Dunera geankert auf ihrer Fahrt nach Australien?  Was haben Jupps Freunde nach dem Krieg so gemacht?  Steht Jupps Geburtshaus noch?, und dergleichen mehr.

So koennen wir Puzzleteil fuer Puzzleteil aneinander fuegen, und es hat sich nach und nach ein gutes Bild ergeben – keineswegs vollstaendig, aber doch schon recht klar, und wir sind ja keineswegs fertig mit der Seite.

Und das Gefuehl ist natuerlich auch an diesem Abendteuer beteiligt.  In vielerlei Hinsicht scheint es mir, als lernte ich Jupp erst jetzt kennen, nicht den Jupp, der uns als Vater “von da oben” begleitet hat, sondern den Jupp, der mit anderen Menschen interagierte, der mit seinem Schicksal haderte oder sich versoehnte, der kaempfte und weinte und lachte und liebte und lernte und sich sehnte, und der charakterlich beeindruckend und vorbildlich war.

Jupps Entschlusskraft und Zielstrebigkeit sowie sein verinnerlichter Wertekompass kamen nicht von ungefaehr, und es ist faszinierend zu lesen und in gewisser Weise nachzu(er)leben, wie er sich selbst charakterlich fortgebildet hat (sicher auf der Grundlage seiner ISK Ausbildung, aber auch deutlich darueber hinaus).  Seine Aufzeichnungen zeigen in so vielerlei Hinsicht auf, wie man sich verhalten sollte und worauf man achten muss, wovor man sich besser huetet und was man bewusst foerdern sollte am eigenen Verhalten, kurz, wie man seinen Charakter schult, dass man mit Fug und Recht sagen kann, Jupp hat fuer seine Kinder und Enkel, fuer sein Haus, wie man so sagt, eine gute Erziehungsrichtschnur hinterlassen.

Nun moegen ja zwei Jahre Internierung es erleichtert haben (vor allem zeitlich), sich so allerlei Einsichten selbst und in Gespraechen mit anderen zu erarbeiten und diese Gedankengaenge auch niederzuschreiben, aber Jupp haette diese Jahre auch deutlich anders nutzen – und somit vertun – koennen.  Hat er aber nicht.  Und ich denke, das sollten wir nicht vergessen, und auch unsere Kinder nicht.  Wir koenne so vieles von Jupp lernen, auch heute noch, und wir hoffen sehr, dass diese Internetseite dazu beitraegt, sein geistiges und literarisches Erbe weiterleben zu lassen, in seiner direkten und erweiterten Familie sowie in den Familien seiner Freude und Genossen.

In diesem Sinne werden wir weiterhin fleissig sein…

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