Aus dem Abschnitt “Formale Paedagogik”

Wo in einer Gesellschaft die Erziehungseinrichtungen nicht auf eine andere Grundlage gestellt sind, (Anmerkung: als die des Autoritaetsprinzips)  da kann nur Untertanengeist und Knechtssinn gedeihen.  Das Opfer einer solchen Erziehungsmethode zu werden ist weit schlimmer, als alle Erziehung ueberhaupt entbehren zu muessen.  Denn wer ohne alle Erziehung in natuerlicher Wildheit aufwaechst, der wird zwar zu keiner Bildung gelangen, er wird aber wenigstens vor dem Schicksal der Verbildung bewahrt bleiben, die nicht nur keine Bildung verleiht, sondern deren schlimmere Wirkung die ist, dass sie, indem sie dem Menschen einen Zustand aeusserer Gebundenheit als den ihm allein angemessenen und erstrebenswerten vorspiegelt, den ihm von der Natur innewohnenden Freiheitstrieb erstickt und ihn so mit seinem Schicksal obendrein zufrieden macht, wodurch sie ihn der jedem anderen offenstehenden Moeglichkeit beraubt, sich durch eigene Anstrengungen zu sittlicher Freiheit emporzuarbeiten, und ihn so um allen Wert seines Lebens betruegt.

 

Aus:
Leonard Nelson:  System der philosophischen Ethik und Pädagogik.    Gesamttitel:  Vorlesungen über die Grundlagen der Ethik, Bd. 1.  Aus d. Nachl. hrsg. von Grete Hermann u. Minna Specht.  Goettingen 1932 [Ausg.] 1931, S. 410.

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