Christian Morgensterns Behoerde

Aber nicht nur uebermoderne Frauen haben Jupps Spott abbekommen, sondern auch der buerokratische Staat.  Und hierzu gefiel ihm Morgensterns kleine Skizze – fuer jemanden, der in gefaehrlicher Zeit im Untergrund gelebt hat, muss dieses Gedicht noch eine ganz andere Dimension gehabt haben als fuer Otto-Normalverbraucher-mit-Sinn-fuer-Humor:

DIE BEHOERDE

von Christian Morgenstern

Korf erhält vom Polizeibüro
ein geharnischt Formular,
wer er sei und wie und wo.

Welchen Orts er bis anheute war,
welchen Stands und überhaupt,
wo geboren, Tag und Jahr.

Ob ihm überhaupt erlaubt,
hier zu leben und zu welchem Zweck,
wieviel Geld er hat und was er glaubt.

Umgekehrtenfalls man ihn vom Fleck
in Arrest verführen würde, und
drunter steht: Borowsky, Heck.

Korf erwidert darauf kurz und rund:
»Einer hohen Direktion
stellt sich, laut persönlichem Befund,

untig angefertigte Person
als nichtexistent im Eigen-Sinn
bürgerlicher Konvention

vor und aus und zeichnet, wennschonhin
mitbedauernd nebigen Betreff,
Korf. (An die Bezirksbehörde in –.)«

Staunend liests der anbetroffne Chef.

Aus: Christian Morgenstern:  Palmström (1910)

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